Studien zeigen: Big Data-Nutzung noch nicht gezielt und rentabel

Der Anteil der Unternehmen, die auf Big Data-Analysen setzen, ist in den letzten zwei Jahren merklich gestiegen. Für eine nennenswerte Steigerung in Sachen Nutzwert und Rentabilität fehlt es aber noch an eigenen Ressourcen, Expertise und wirklichen Strategien, wie zwei aktuelle Umfragen verdeutlichen. Wir haben sie uns genauer angeschaut und eingeordnet.

Foto: fotolia.com / Ben Chams

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Worum es geht: „Mit Daten Werte schaffen“

Immer mehr deutsche Unternehmen treffen relevante Entscheidungen auf Basis von Datenanalysen, vermeldet die Studie „Mit Daten Werte schaffen„. Bitkom Research hat dafür im Auftrag von KPMG 704 Unternehmen und 102 Verwaltungen mit mehr als 100 Mitarbeitern befragt. Gut ein Drittel der Unternehmen nutzt demnach bereits Big Data-Analysen. Zwei Jahre zuvor war es erst ein Viertel (23 Prozent).

Industriebranchen haben die Nase vorn

Am weitesten in Sachen Big Data sind laut Umfrage der Maschinen- und Anlagenbau sowie die Automobilindustrie. Hier wird die Datenanalyse in erster Linie für die Produktionsplanung und Projektabwicklung genutzt. Im Marketing dient sie zur Erkennung und Bewertung von Markt- und Kundenpotenzialen.

„70 Prozent verringern Geschäftsrisiken durch den Einsatz von Datenanalysen. 54 Prozent erreichen eine individuellere Gestaltung von Produkten oder Services und 51 Prozent ein gezielteres Marketing.“ – Erkenntnis aus: „Mit Daten Werte schaffen“

Viele Hürden und viel Überwindungsbedarf

Öffentliche Verwaltungen sind für Datenanalysen weniger offen. Als größte Hemmnisse werden hier Rechts- und Sicherheitsbedenken sowie die Sorge vor öffentlicher Kritik genannt.

Auch die Wirtschaft zeigt sich gehemmt, v.a. durch Ressourcenmangel. So nennen 55 Prozent der Befragten ein unzureichendes Budget und 50 Prozent nicht genügend Datenanalyse-Spezialisten. Gleichzeitig scheuen sich allerdings 60 Prozent der Unternehmen, eigene Daten für Analysezwecke an externe Dienstleister weiterzugeben.

„Trotz der geringen Zahl eigener Spezialisten für die Datenanalyse greifen Unternehmen kaum auf externe Dienstleister zurück.“ – Erkenntnis aus: „Mit Daten Werte schaffen“

Mindestens 60 Prozent der befragten Unternehmen wissen also nicht, dass sie ihre Daten zu Analysezwecken nicht abgeben müssen. Bzw. dass es mögich und entscheidend ist, Fachexpertise und externe Kompetenz ins eigene Unternehmen zu ziehen und in Strategieentwicklung, Planung und Realisierung einzubinden.

Nachholbedarf besteht auch bei der gezielten Nutzung: Erst ein Drittel der Befragten verfügt über eine Big Data-Strategie. Führend sind Medienunternehmen mit 56 Prozent und Versicherungen mit 46 Prozent. Die Quote in anderen Branchen fällt deutlich dahinter zurück. Dies, obwohl gerade die gezielte strategische Nutzung wichtig ist, um aus den Daten konkreten Business Value zu gewinnen.

Was zählt: „The Big Data Payoff“

Aktuell erweist sich gerade ein Viertel (27 Prozent) aller Big Data-Projekte als rentabel, weitere 45 Prozent arbeiten kostendeckend. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „The Big Data Payoff: Turning Big Data into Business Value“ von Informatica und Capgemini.

Business-Verankerung macht profitabel

Die Befragung von mehr als 200 Führungskräften aus IT- und Datenmanagement in Europa und den USA zeigt, dass die Verankerung im Business ein Schlüsselfaktor für die profitable Datennutzung ist.

„Es ist mehr als doppelt so wahrscheinlich, dass ein Big Data-Projekt gewinnbringend ist, wenn ein COO oder CDO anstelle des CIO die Leitung übernimmt.“ – Erkenntnis aus: „The Big Data Payoff“

Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass die Big Data-Strategie aktuell beim Chief Information Officer angesiedelt ist. Laut Studie verschieben sich die Zuständigkeiten jedoch zum operativen Geschäft. So übernimmt der Chief Operating Officer (20 Prozent), Chief Technology Officer (16 Prozent) und Chief Marketing Officer (16 Prozent) immer mehr die Verantwortung.

Auch geben 75 Prozent der Unternehmen mit profitablen Big Data-Initiativen an, effektiver beim Management der Datenqualität und der Data Governance zu sein. Außerdem verweisen sie auf Erfolge bei der Standardisierung der Datenkonsistenz in der eigenen Organisation. – Kurz: Die Top-Performer haben eine Big Data-Strategie. 

Als interne Vorteile werden bessere Entscheidungen (37 Prozent), besserer Informationsaustausch (34 Prozent) und eine höhere Produktivität (33 Prozent) genannt. Extern nennen Unternehmen mit profitablen Projekten eine höhere Kundenzufriedenheit und -bindung (51 Prozent) als größten Vorteil einer Big Data-Strategie.

Was noch fehlt: Strategie und ganzheitliches Vorgehen

Beide Studien offenbaren die Schwachstellen aktueller und Notwendigkeiten künftiger Big Data-Projekte: nachhaltiger Erfolg braucht eine Strategie für die Digitale Entwicklung des gesamten Unternehmens. Digitalisierungsfragen müssen im Business angesiedelt sein und Priorität für alle Bereiche haben. Erst deren Zusammenspiel ermöglicht rentable Data-Initiativen und die schrittweise Transformation zum digital souveränen Unternehmen.

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