Künstliche Intelligenz zwischen Mythos und Möglichkeiten – Teil 1: KI geht zum Film

Künstliche Intelligenz (KI) verändert die Realität und noch mehr unseren Blick darauf. Viel Phantasie und meist wenig wirkliches Wissen prägten erst die Furcht vor Maschinen, die die Welt unterjochen wollen, und wichen dann einer Grundbefürchtung, KI solle den Menschen in vielen Bereichen überflüssig machen. Warum ist das so? Was ist da dran? Wie steht es im Digitalen Zeitalter – in Zeiten von Machine Learning und Deep Learning – um die Vision, die „denkende Maschine“ könne das Leben erleichtern und verbessern? Wir schauen mal nach und nähern uns dem Thema in drei Schritten. Zu Anfang, wie die meisten, über die Fiktion.

Artificial Intelligence according to "The Terminator" (1984 (c) Orion Pictures)

Untergangsszenario oder Unterhaltungsindustrie?

Die Älteren erinnern sich: Im Jahr 2029 übernehmen die Maschinen unter der Führung des Computersystems Skynet die Macht auf unserem Planeten. Die letzten Menschen kämpfen erbittert um ihr Überleben. Deshalb wird ein Cyborg ins Jahr 1984 geschickt, der den künftigen Rebellenführer terminieren und die Filmkarriere von Arnold Schwarzenegger anschieben soll. Eines davon misslingt. Doch spätestens seither lebt die uns bekannte Welt in latenter Furcht vor klugen Maschinen und künstlicher Intelligenz. Zuvor, das weiß der Cineast, u.a. geschürt durch HAL-9000 in „2001“ (1968) und Yul Brynner in „Futureworld“ (1976). Später fortfantasiert u.a. in Epen wie „Matrix“ (1999 ff.) oder zwischendurch irritiert durch „A.I.“ (2001).

Realitäten und Filme entwickeln sich gegenseitig weiter

Dank erstaunlicher technologischer Möglichkeiten und immer potenterer Rechnerleistungen ist die Künstliche Intelligenz vielerorts Thema. Selbstverständlich beschäftigt sie Technologiekonzerne wie Google, dessen neuronales Netzwerk vor kürzlich erstmals einen Profispieler im Brettspiel Go schlug. Was wiederum Furore machte, weil Go als ein Spiel gilt, dessen Erfolg sich nicht ausschließlich errechnen lässt, sondern viel auf Intuition basiert.

Parallel entstanden und entstehen neue Filme wie „Transcendence“ (2014) oder „Ex Machina“ (2015), auf einem neuen, mehr und mehr philosophischen Level. Filme, die nicht mehr nur die Furcht verarbeiten, austausch- und zerstörbar zu sein, sondern jene vor einer künstlichen Superintelligenz mit Gefühlen und Zielen, die lernen könnte, den Menschen zu manipulieren und sich seiner Kontrolle zu entziehen. Eine Befürchtung, die gerade erst der Philosoph Nick Bostrom äußerte und die zuvor prominente Mahner in der realen Grenzwelt von Technologie, Wissenschaft und Vision fand. Darunter Bill Gates, Stephen Hawking und Elon Musk.

Alles kein Weltuntergang

Gemäß der filmisch-populärwissenschaftlichen Historie werden unsere Maschinen immer schöner, schneller und schlauer. Und sie hat Recht: Künstliche Intelligenz hat gerade erst begonnen und birgt noch enormes Potenzial. Doch wenn wir es ausschöpfen wollen, müssen wir aufhören, die Überlegenheit lernender Maschinen zu fürchten.

Maschinen sind dem Menschen nur überlegen, wenn es um die kontinuierliche Anwendung wiederkehrender Aufgaben geht. Egal in welcher Form oder welchem klar umgrenzten Umfeld. Unabhängig, ob es um industrielle Produktion, Realtime Bidding, Aktienhandel, Go-Spielen oder in Zukunft um Autofahren geht. Sie werden nicht müde, realisieren ihre Aufgaben in gleichbleibend hoher Ausführungsqualität und werden nicht krank. Dafür wurden und werden sie gebaut.

Aber: Maschinen sind und bleiben dumm, auch wenn wir von Künstlicher Intelligenz reden. Sie können mehr und mehr lernen, Zusammenhänge erkennen und auf andere Situationen abstrahieren. Doch sie können keine eigenen Theorien entwickeln, neue Herausforderungen ausmachen und annehmen. Insofern sind sie dem Menschen nie überlegen.

Künstliche Intelligenz mag Risiken bergen. Doch die Aufgabe ist, sie zu bewältigen, um Entwicklungen voranzubringen. Untergangsphantasien sind fehl am Platze und, wie der Name schon sagt, pure Fiktion.

 

Im nächsten Beitrag schlagen wir den Bogen von der Fiktion in die Realität. Wir widmen uns der Frage, wie sich Künstliche Intelligenz auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt auswirken kann – und was es dort zu befürchten gibt. 

 

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